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Samstag, 1. Februar 2014

Hummel, Hummel ... und so

Ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber bei mir entstehen viele Blogbeiträge aus purem Zufall, weil ich unterwegs plötzlich irgendetwas sehe und es einfach festhalten möchte. So erging es mir heute, als ich mal wieder unterwegs war, um für meinen Brückenblog für Nachschub zu sorgen und so ließ ich mich durch die Straßen treiben.

Auf einmal stockte ich, weil ich plötzlich Straßennamen las, die ich zuvor noch nie gehört hatte und bin dann dort etwas aufmerksamer entlang gelaufen. 



Der Großer Trampgang liegt zwischen der Wexstraße und der Brüderstraße und führt an renovierten Mehrfamilienhäusern der Gründerzeit vorbei. Und kurz danach stand ich hier


Ich befand mich also mitten im Gängeviertel der Neustadt. Auf das Gängeviertel in der Neustadt werde ich gesondert nochmals eingehen, heute liegt mein Fokus auf Hans Hummel, da sich hier der Hummelbrunnen befindet.



Hier am Rademachergang war bis zu Beginn der 1930er Jahre noch das Gängeviertel und dieser Bereich wurde zwischen 1933 und 1937 abgerissen und mit neuen Wohnblöcken bebaut - mit deutlich mehr Platz und den hygienischen Ansprüchen genügend. Bereits im Jahr 1938 ließ der "Verein geborener Hamburger" ein Brunnendenkmal zu Ehren Hans Hummels aufstellen. Hummel steht dort an einer Säule hinter der sich Kinder verstecken, die ihm zurufen. Der Brunnen trägt folgende Inschrift: 
„MIT DENN BOO-VEREEN TO HAMBORG TOHOOP OEVERGEVEN VON DENN VEREEN GEB. HAMBORGER R.V. VON 1897 AN DE HANSESTADT HAMBORG SUENNDAG DEN 13. SEPT. 1938
(„Zusammen mit dem Bauverein zu Hamburg übergeben vom Verein geborener Hamburger RV von 1897 an die Hansestadt Hamburg am Sonntag, dem 13. Sept. 1938“)“
Aber nun zu Hans Hummel: sein bürgerlicher Name war Johann Wilhelm Bentz, er wurde am 21. Januar 1787 in Hamburg geboren und starb am 15. März 1854. Hans Hummel war Wasserträger in der Hamburger Neustadt und ist noch heute die bekannteste Person der alten Hamburger Originale. Auf ihn ist der Ursprung des Hamburger Grußes "Hummel, Hummel - Mors, Mors" zurückzuführen. 
Der Überlieferung nach war Bentz ein ziemlich missmutiger Zeitgenosse und wurde von den Kindern geneckt, indem sie ihn beim Spottnamen "Hummel, Hummel" riefen und er kurz und knapp mit "Mors, Mors" geantwortet hat. "Mors, Mors" ist die Kurzform des niederdeutschen Ausspruchs "Klei di an'n Mors" (also: Kratz dich am Arsch). Eine Kinderskulptur, die ihm den Hintern ausstreckt, befindet sich am Memel-Haus direkt am Rademachergang mit direktem Blick auf den Hummelbrunnen.




Ein weiteres sichtbares Zeichen dafür, dass hier ursprünglich Hafen- und Werftarbeiter im Gängeviertel wohnten ist auch diese Skulptur hier an einer Hausfassade am Rademachergang

"Hans" kann man ja noch verstehen, warum er so gerufen wurde; ist doch "Hans" eine Kurzform seines Vornamens Johann. Aber warum "Hummel"? Und woher kommt der Spottname?

Hierfür gibt es mehrere Erklärungen oder Deutungen:
  • es könnte sein, dass der Spitzname "Hummel" auf den Stadtsoldaten Daniel Christian Hummel aus der Franzosenzeit (Hamburg war von 1806 bis 1814 von Frankreich besetzt und wurde in das Französische Kaiserreich eingegliedert) zurückzuführen ist, der in der Neustadt gewohnt hat und bei den Kindern sehr beliebt war. Der Wasserträger Bentz ist nach dessen Tod in die Wohnung von Hummel gezogen und so hat er einfach dessen Spitznamen übernommen.
  • die zweite Möglichkeit ist, dass sich der Name "Hummel" von der norddeutschen Bezeichnung "Griephummer" ableitet, dem Spottnamen der Gerichtsdiener. Aus "Hummer" wurde im Laufe der Jahre sprachlich "Hummel".


Im Jahr 1848 wurde Bentz arbeitslos, da die Stadtwasserkunst in Hamburg-Rothenburgsort ihren Betrieb aufnahm. Sechs Jahre später verstarb Bentz und wurde auf Armenhauskosten auf dem Dammtorfriedhof begraben. Von seinem Status als Hamburger Original ist ihm also nichts geblieben.

Hans Hummel oder der Ausspruch "Hummel, Hummel ... Mors, Mors" ist aber so beliebt, dass ihm zu Ehren eine Skulpturenparade in Hamburg veranstaltet wurde. Über 100 Figuren des Wasserträgers Hans Hummel wurden aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellt und auf dem Jungfernstieg aufgestellt. Die einzelnen Figuren wurden von Künstlern individuell bemalt und die Sklupturenparade war so beliebt, dass die Aktion deutlich länger lief als ursprünglich geplant - wenn ich mich recht erinnere, knappe zwei Jahre. Ende 2005 haben wir dann auch diese Fotos von der Hummel-Parade gemacht:





Aber ich habe ja weiter oben etwas von weiteren Hamburger Originalen geschrieben. Wer das ist oder war, kann man hier auf einer Hummelfigur gut ablesen


Na, dann bleibt mir jetzt nicht mehr viel mehr zu sagen als .... Hummel, Hummel 

Übrigens: die Kati von typisch hamburch hat neulich ein Interview mit Hans Hummel geführt. Schaut mal rein, das ist schön geschrieben (so wie das ganze Blog) 

Kommentare:

  1. Die große Idee, als Tim Berners-Lee 1990 das „Web erfand“, war, dass man von einem Inhalt per „Hyperlink“ auf einen anderen verwandten, ergänzenden, oder vertiefenden Inhalt weiter navigieren kann.
    Ich finde, gerade im Bereich der Blogs klappt das ganz ausgezeichnet. Es ist schon faszinierend zu sehen, wie sich da manchmal Kreise schließen.
    Deshalb freue ich mich auch sehr, dass Du im Artikel über den Hamburger Wasserträger den Weg nach Kaltehofe findest.
    Ich danke Dir fürs verlinken und den tollen Bericht über Hans Hummel.

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    1. Genauso sehe ich es auch und daher verlinke ich, sobald ich mich daran erinnere, zu einem Thema etwas gelesen zu haben - und dein Bericht über die Wasserkunst war einfach so gut, der blieb ganz vorn in meinem Erinnerungsspeicher.
      Danke für das Feedback und es freut mich, dass dir der Bericht gefällt

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