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Freitag, 26. Juli 2013

Aufstehen! Jetzt!

Es gibt ein Thema, was uns alle angehen sollte. Männer, Frauen, Kinder … wir alle sollten betroffen sein und uns informieren. Stattdessen rauscht dieses Thema an dem Großteil der Bevölkerung vorbei so nach dem Motto "das geht mich nichts an, ich habe da nichts mit zu tun". 

Und wenn ich in meinem Bekanntenkreis erzähle, ich gehe am Sonnabend zu einer Demonstration, dann kommt als erstes die Frage "echt? Auf welche denn?" und ich stelle überrascht fest, dass das, was für mich selbstverständlich ist, für die meisten etwas völlig Abstraktes ist. Eigentlich hätte ich erwartet, dass meinem Gegenüber klar ist, worum es geht – nämlich um


Scheinbar aber verhält es sich so, dass nur diejenigen, die wie ich digital leben, tatsächlich den Umfang und das Ausmaß unserer Überwachung begreifen, wahrnehmen und realisieren, was das tatsächlich bedeutet. In allen anderen Medien wird dieses Thema heruntergespielt. Bestes Beispiel hierfür ist der Kommentar von Ulrich Deppendorf in der Tagesschau vom 25. Juli 2013 zu der "umfassenden" Aufklärung seitens Herrn Pofalla:

video

Dabei ist aus meiner Sicht der jetzt folgende Kommentar von der Schriftstellerin Juli Zeh so klar und deutlich, dass dies auch wirklich der Letzte kapieren sollte:


Oder anders ausgedrückt:

Stell' dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin …. Nein, denn der Krieg kommt zu dir!

Nur weil keine körperliche Gewalt stattfindet, heißt es noch lange nicht, dass kein Krieg stattfindet. Wir alle, wirklich jeder, stehen unter Generalverdacht. Das Telefon wird abgehört, Briefumschläge werden gescannt und digitalisiert, Emails werden gelesen, Statusmeldungen in den Sozialen Netzen überwacht, jede Suchanfrage wird notiert, jede Benutzung des Smartphones etc. Klar habe ich nichts zu verbergen. Ich bin eine harmlose Bürgerin wie jeder andere auch. Aber ich finde es unerträglich zu wissen, dass meine Grundrechte und meine Menschenwürde mit Füßen getreten werden. Ich dachte bislang immer, ich lebe in einem freien Land.

Ich könnte jetzt so unendlich viele Links zu wirklich guten Artikeln posten, das aber wäre zuviel des Guten und daher möchte ich mit einem Zitat von Herta Däubler-Gmelin dieses Posting beenden:
"Es ist ein Skandal, wie die Bundesregierung mit den Bürgern umgeht. Es wird Zeit, der Öffentlichkeit reinen Wein einzuschenken. Gerade mit ihrer Lebenserfahrung muss die Bundeskanzlerin wissen, dass Freiheit und Totalüberwachung nicht kompatibel sind, auch nicht zusammengebracht werden können. Die Kanzlerin hätte deshalb gut daran getan, die Hinweise des Whistleblowers Edward Snowden aufzugreifen und daraus Folgerungen zu ziehen. Das hat sie nicht getan. Damit schadet sie allen, aber auch ihrer eigenen Glaubwürdigkeit."
Dieses Zitat stammt aus ihrem Gastbeitrag in der Süddeutschen vom 22. Juli. 

Und bei dem Verhalten bzw. Nichtverhalten der Bundesregierung und der bislang nicht wirklich stattfindenden Opposition wundert es mich nicht, dass die Politikverdrossenheit zunimmt.

Aber damit will ich mich nicht abfinden und daher werde ich mich nicht still in die Ecke setzen, mein digitales Leben aufgeben oder mich gar verschlüsseln – ich sehe es einfach nicht ein, dass ich mein GRUNDRECHT auf Freie Meinungsäußerung, Menschenwürde und das eines freien Lebens verschlüsseln muss und vertrauliche Gespräche nur noch draußen in der freien Natur auf einer großen Wiese führen kann, wo weit und breit kein Baum zu sehen ist, in dem vielleicht eine Überwachungskamera hängen könnte. 

Daher gehe ich am Sonnabend, 27. Juli 2013 um 14:00 Uhr zur Demo. In Hamburg findet die Großkundgebung auf dem Gerhardt-Hauptmann-Platz statt.

Darüber hinaus engagiere ich mich im Netz, indem ich die #bewegung jetzt-Initiative gezeichnet habe und unterstütze


Ich möchte mich selber nicht fragen: warum guckst du nur zu?

So! Das musste jetzt einfach mal raus!


1 Kommentar:

  1. Die Demostration ist doch ein Grundrecht, das nicht von der NSA mit den Füßen getreten worden ist.

    Meine Meinungsfreiheit im Bekanntenkreis oder Arbeitskollegenkreis ist doch auch nicht eingeschränkt worden, "nur" weil die NSA im Internet nach uns schaut. Blogs können immer noch verfasst werden, die sich auch kritisch mit der NSA befassen.

    Oder ist es ein Verbot veröffentlicht worden, das mir entgangen ist, wo ich nicht mehr in der Öffentlichkeit meine Meinung sagen darf, die Medien haben sich bislang auch kritisch über die NSA geäußert und etc...

    Wir sollten das mit den Grundrechten mal überlegen, ob wir das wirklich gebrauchen sollten. Ich meine, Menschen in Dikaturen wie zum Beispiel Nordkorea sind wirklich in ihren Grundrechten beschnitten worden und sind es immer noch und werden es noch eine Zeitlang sein.

    Wenn das alles so schlimm ist mit den Briefen, Telefonaten bzw. sozialen Netzwerken, warum hat dann noch jeder im Auto ein Navi mit GPS (das auch ein US-Amerikanisches System ist) und warum hat jeder zig Kundenkarten von zig Unternehmen. Nur weil es deutsche Unternehmen sind, muss es nicht bedeuten, dass sie zu großen internationalen Multikonzernen gehören, die auch in der USA sitzen können.

    Ich bin mal gespannt, wie viele da zu den Demostrationen insgesamt kommen werden. Ob das mehr werden als die angekündeten in Ägypten oder wie Spanien oder Frankreich zu anderen Themen demostrieren.

    Sollen die Demostrationen erreichen, dass die USA sich aus der Schnüffelei komplett zurückziehen sollen oder gewähren wir ihnen einbißchen noch zu schnüffeln bzw. gar dass sie unseren Standard im Datenschutz übernehmen sollen.

    Warum gehen nur wir Deutsche deswegen auf die Straße? Andere Staaten wie Spanien, Frankreich, Italien und Belgien die sonst immer fleißig alles lahm legen im Land, wenn denen nichts passt, haben bislang noch nichts gemacht. Haben andere Staaten am Datenschutz überhaupt kein richtiges Interesse?

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