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Samstag, 27. Juli 2013

Freiheit, die ich meine

In meinem gestrigen Beitrag "Aufstehen! Jetzt!" habe ich bereits mein Wut über das Ausspähen unserer Daten und unseres Lebens zum Ausdruck gebracht und angekündigt, heute zu der Demonstration, die unter dem Motto "Stop Watching Us" stand, zu gehen. Und selbstverständlich habe ich das auch gemacht.

Viel Gerede möchte ich nicht drum machen - außer: es war großartig! Ich war schon morgens in der Stadt und hatte die Sonne genossen, um dann auf dem Gerhardt-Hauptmann-Platz den Aufbau der Vortragsbühne und das langsame Eintreffen der Teilnehmer zu beobachten.



Anfangs hatte ich ja meine Bedenken, ob sich genügend Menschen beteiligen; denn bis kurz vor 14:00 Uhr war es doch recht übersichtlich, aber dann wurde es voll und wie wir bei der Abschlusskundgebung gehört haben, waren rund 3.000 Menschen bei der Hamburger #StopWatchingUs Demo.

Freiheit, die ich meine bedeutet in diesem Fall auch, Leute zu ertragen, die beim Auftakt meinten, ebenfalls auf die Bühne zu treten und eine Rede halten zu müssen. Ich rede von Burkhardt Müller-Sönksen von der FDP Hamburg. Der Landesverband der Hamburger FDP engagiert sich im parteiübergreifenden Bündnis gegen Überwachung und daher meinte er wohl, ebenfalls auftreten zu müssen. Er hat aber sofort die "Sippenhaft" der anwesenden Demonstranten zu spüren bekommen; denn die FDP zeichnet sich (mit Ausnahme von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger) ja nun nicht gerade als sonderlich engagiert gegen die Überwachung aus. Jedenfalls hat das Publikum ihn gnadenlos ausgepfiffen, was er dann allerdings - und das sollte er mit seiner Erfahrung können - nicht souverän hingenommen hat, sondern die ihn auspfeifenden Demonstranten, nein, uns alle als "Pfeifen" bezeichnet. Spätestens jetzt hatte er verloren. Da konnte er noch so sehr versuchen, seine Rede vom iPad zu lesen, ihm hörte man nicht zu, es wurde weitergepfiffen.

Aber: "Freiheit, die ich meine" bedeutet, ihn einfach reden zu lassen. Was überhaupt nicht ging war dann nämlich, dass ein paar Idioten meinten, ihn von der Bühne zerren zu müssen. Sorry, aber diejenigen haben nicht verstanden, WARUM wir dort waren: Freie Meinungsäußerung gilt für jeden, auch für einen FDP Politiker. Man muss ihm ja nicht zuhören!

Was ich vorher nicht wusste, war, dass es nicht nur eine Kundgebung gab, sondern wir sind dann alle gemeinsam bis zum Spielbudenplatz nach St. Pauli gezogen und das war einfach grandios. Eine super Stimmung, voran der LKW mit der wunderbar laut wummernden Musik, die Sonne brannte von oben und es war absolut friedlich. Eine wunderschöne Szene gab es, als der Demonstrationszug am Jungfernstieg vor dem Apple-Store zum Halten kam und vom LKW die Durchsage kam, man hätte nichts gegen deren Produkte, aber Apple sollte die Weitergabe der Daten stoppen. Und alle zückten ihre iPhones, iPads, um Fotos zu machen :-) oder wahlweise ihre Samsungs mit Googles Android.

Erwähnenswert ist aus meiner Sicht auch das Publikum - es ging durch alle Alters- und Bevölkerungsschichten. Viele Menschen, die so ungefähr in meinem Alter waren und genau wie ich erstmals wieder an einer Demonstration teilnahmen. Viele waren wie auch ich das letzte Mal gegen den NATO-Doppelbeschluss Anfang der Achtziger auf die Straße gegangen. Menschen mit Anonymus-Masken, "Freaks", Punks, Autonome, Junge, Alte, viele Menschen in Rollstühlen, barbusige Frauen, Partyvolk ... also querbeet durch die Gesellschaft. Das Thema berührt eben uns alle.

Und selbstverständlich ging es auch um Edward Snowden; durch ihn wissen wir ja schließlich erst von der flächendeckenden Überwachung. Und es ist ein Unding und ein absolut übles Zeichen, dass die USA jetzt mit Russland verhandeln, ihn doch rauszulassen und die USA "zugesichert" hat, ihm stünde keine Folter bevor. Hallo? Wo sind wir, dass wir darüber verhandeln müssen, ob jemand gefoltert wird?

Daher waren wir heute auch alle ein wenig "Team Edward"; denn er ist kein Verräter. Verrat begeht man, wenn man Dinge wissent- und willentlich dem Feind übergibt. Hat er das? Nein! Er konnte es mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren, was die NSA mit uns allen treibt und hat uns alle, hat das Volk darüber aufgeklärt. Wenn jetzt behauptet wird, er hätte Verrat begangen heißt es im Umkehrschluss, dass das Volk der Feind ist. So ist offensichtlich die Denke! Er, wer sonst, ist Inbegriff eines politisch Verfolgtens und ihm gebührt nicht nur Respekt, sondern politisches Asyl. Und zwar nicht in einem Land, wo niemand leben will, sondern hier. Hier bei uns. Oder wo auch immer er leben möchte.

Habe ich etwas vermisst bei der Demo? Ja. Es fehlte die SPD. Sie hätte nicht als Redner auftreten müssen, aber wenigstens Präsenz zeigen. Zeigen, dass das Thema auch die SPD bewegt. Nicht, weil im Herbst Wahlen sind, sondern um zu zeigen, dass sie eine VOLKSpartei ist. Aber das Volk bleibt unter sich. Oder bei politischen Splittergruppen. Schade, Chance vertan.

Nun aber genug der Worte, es folgen ein paar Bilder.

 





 




Ich fand die Demonstration rundherum gelungen und bin bei der nächsten wieder dabei. Und hoffentliche viele weitere tausend Menschen.


Freitag, 26. Juli 2013

Aufstehen! Jetzt!

Es gibt ein Thema, was uns alle angehen sollte. Männer, Frauen, Kinder … wir alle sollten betroffen sein und uns informieren. Stattdessen rauscht dieses Thema an dem Großteil der Bevölkerung vorbei so nach dem Motto "das geht mich nichts an, ich habe da nichts mit zu tun". 

Und wenn ich in meinem Bekanntenkreis erzähle, ich gehe am Sonnabend zu einer Demonstration, dann kommt als erstes die Frage "echt? Auf welche denn?" und ich stelle überrascht fest, dass das, was für mich selbstverständlich ist, für die meisten etwas völlig Abstraktes ist. Eigentlich hätte ich erwartet, dass meinem Gegenüber klar ist, worum es geht – nämlich um


Scheinbar aber verhält es sich so, dass nur diejenigen, die wie ich digital leben, tatsächlich den Umfang und das Ausmaß unserer Überwachung begreifen, wahrnehmen und realisieren, was das tatsächlich bedeutet. In allen anderen Medien wird dieses Thema heruntergespielt. Bestes Beispiel hierfür ist der Kommentar von Ulrich Deppendorf in der Tagesschau vom 25. Juli 2013 zu der "umfassenden" Aufklärung seitens Herrn Pofalla:

video

Dabei ist aus meiner Sicht der jetzt folgende Kommentar von der Schriftstellerin Juli Zeh so klar und deutlich, dass dies auch wirklich der Letzte kapieren sollte:


Oder anders ausgedrückt:

Stell' dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin …. Nein, denn der Krieg kommt zu dir!

Nur weil keine körperliche Gewalt stattfindet, heißt es noch lange nicht, dass kein Krieg stattfindet. Wir alle, wirklich jeder, stehen unter Generalverdacht. Das Telefon wird abgehört, Briefumschläge werden gescannt und digitalisiert, Emails werden gelesen, Statusmeldungen in den Sozialen Netzen überwacht, jede Suchanfrage wird notiert, jede Benutzung des Smartphones etc. Klar habe ich nichts zu verbergen. Ich bin eine harmlose Bürgerin wie jeder andere auch. Aber ich finde es unerträglich zu wissen, dass meine Grundrechte und meine Menschenwürde mit Füßen getreten werden. Ich dachte bislang immer, ich lebe in einem freien Land.

Ich könnte jetzt so unendlich viele Links zu wirklich guten Artikeln posten, das aber wäre zuviel des Guten und daher möchte ich mit einem Zitat von Herta Däubler-Gmelin dieses Posting beenden:
"Es ist ein Skandal, wie die Bundesregierung mit den Bürgern umgeht. Es wird Zeit, der Öffentlichkeit reinen Wein einzuschenken. Gerade mit ihrer Lebenserfahrung muss die Bundeskanzlerin wissen, dass Freiheit und Totalüberwachung nicht kompatibel sind, auch nicht zusammengebracht werden können. Die Kanzlerin hätte deshalb gut daran getan, die Hinweise des Whistleblowers Edward Snowden aufzugreifen und daraus Folgerungen zu ziehen. Das hat sie nicht getan. Damit schadet sie allen, aber auch ihrer eigenen Glaubwürdigkeit."
Dieses Zitat stammt aus ihrem Gastbeitrag in der Süddeutschen vom 22. Juli. 

Und bei dem Verhalten bzw. Nichtverhalten der Bundesregierung und der bislang nicht wirklich stattfindenden Opposition wundert es mich nicht, dass die Politikverdrossenheit zunimmt.

Aber damit will ich mich nicht abfinden und daher werde ich mich nicht still in die Ecke setzen, mein digitales Leben aufgeben oder mich gar verschlüsseln – ich sehe es einfach nicht ein, dass ich mein GRUNDRECHT auf Freie Meinungsäußerung, Menschenwürde und das eines freien Lebens verschlüsseln muss und vertrauliche Gespräche nur noch draußen in der freien Natur auf einer großen Wiese führen kann, wo weit und breit kein Baum zu sehen ist, in dem vielleicht eine Überwachungskamera hängen könnte. 

Daher gehe ich am Sonnabend, 27. Juli 2013 um 14:00 Uhr zur Demo. In Hamburg findet die Großkundgebung auf dem Gerhardt-Hauptmann-Platz statt.

Darüber hinaus engagiere ich mich im Netz, indem ich die #bewegung jetzt-Initiative gezeichnet habe und unterstütze


Ich möchte mich selber nicht fragen: warum guckst du nur zu?

So! Das musste jetzt einfach mal raus!


Samstag, 20. Juli 2013

Impressionen des Sommers

Wie sehr haben wir ihn ersehnt! Sehnsüchtig haben wir nach dem langen und kalten Winter jeden einzelnen Sonnenstrahl genutzt und kaum ist es ein paar Tage mal warm, kommen die ersten Nörgler aus ihren Löchern gekrochen und lamentieren, dass es so warm ist.

Nicht mit mir! Ich liebe den Sommer. Und ja: den Sommer kann man auch gut in der Stadt, in der Großstadt verbringen, vorausgesetzt man hat das Glück und wohnt eben in einer Stadt, die die entsprechende Abwechslung bietet: sich stauende Hitze in den Häuserschluchten und Wärme, die durch einen leichten Wind auf dem Wasser so richtig gut erträglich wird.

Tja das alles bietet Hamburg. Nach meinem Besuch der Außenanlagen des Hafenmuseums und des Zuschauens beim Bungee-Jumping auf der neuen Anlage von Jochen Schweizer wollte ich mit dem HVV Bus der Linie 256 wieder zurückfahren. Es kam zwar auch ein Bus, der vollgestopft mit Menschen war, aber die Busfahrerin verkündete mir, dass sie nur bis "Vogelreth" führe, der nächste zurück nach Veddel käme erst in 30 Minuten. Naja, Vogelreth klingt ja ganz nett und irgendwie werde ich schon weiterkommen.

Die Haltestelle Vogelreth entpuppte sich dann als eine Haltestelle im Niemandsland. Irgendwo mitten im Hafengebiet. Weit und breit nur Öde, riesige Lagerhallen und sonst nichts. Ich habe sie dann gefragt, wie man denn hier weiterkäme, gibt's hier ne Fähre oder so? Und dann kam die große Überraschung: sie hätte jetzt eh Pause und sie fährt die anderen Fahrgäste (eine Gruppe aus Bayern) und mich noch zur nächsten Station "Arningstraße", dort gibt es einen Fähranleger und als Fußgänger ist diese Station nicht erreichbar, weil sie mitten in einem Firmengelände liegt. Wo sie ihre Pause verbringt sei ihr nicht vorgeschrieben, also kann sie uns auch zum Fähranleger fahren.

Und so begann mein Fähren-Hopping. Am Anleger Arningstraße hält nämlich die HADAG-Fähre der Linie 72, die nur die drei Stationen Landungsbrücken - Arningstraße - Elbphilharmonie und zurück bedient. Also bin ich von dort bis zu den Landungsbrücken gefahren.









Und wenn ich doch eh schon an den Landungsbrücken bin und dazu noch auf einem Freitag, dann kann ich ja auch gleich mal eine Fahrt mit der Fährlinie 73 zur Ernst-August-Schleuse und zurück unternehmen. Diese Linie verkehrt nämlich nicht am Sonnabend und Sonntag - also meine eigentlichen bevorzugten Tage; denn schließlich arbeite ich normalerweise an einem Freitag. Und die Fahrt zur Ernst-August-Schleuse und zurück führt einen mal in die andere Richtung. Nämlich in Richtung Willhelmsburg und nicht zu den Elbstränden.











 





Das macht richtig Lust auf mehr. Theoretisch kann man den Tag mit einem HVV-Ticket auf dem Wasser verbringen und sich von einer Fähre zur anderen quer durch den Hafen schippern lassen. Jetzt fehlt nur noch eine Fähre, die uns durch die Speicherstadt fährt. Aber irgendwovon müssen die Barkassen- und Hafenrundfahrt-Unternehmen ja auch leben.

Und das Kontrastprogramm zum Hamburger Hafen mit den Fähren stellte dann das Wochenende mit dem Weltcup-Triathlon dar. Ich war am Sonnabend spontan mal in die Stadt gefahren und hatte überhaupt nicht daran gedacht, dass ja Triathlon ist. Also habe ich auch hiervon ein paar Fotos der Jedermänner und -frauen mitgebracht.






 




 




 


Ich bin immer wieder fasziniert von der Leistung jedes einzelnen Teilnehmers. Egal, ob jetzt "nur" eine Teilstrecke oder die komplette Strecke: Hochachtung!

Ich bummel dann lieber durch die Straßen und nehme das sommerliche Hamburg auf. Menschen, die sich mit dem Alster-Cabrio über die Alster schippern lassen, in den Colonnaden bummeln, am Neuen Wall flanieren, am Ponton etwas Kühles trinken oder an der Rathausschleuse sitzen ... Hamburg ist einfach fantastisch.







Tja, so kann man auch einen Sommertag mitten in einer Großstadt verbringen. Nun geht es aber zunächst auf den Balkon ... die störenden weißen Stellen der Sandalenriemchen müssen ebenfalls gebräunt werden :-)