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Samstag, 25. Mai 2013

Glückliche Kinderaugen

Viele reden immer von Verantwortung. Und, dass Kinder unsere Zukunft sind. Und meist ist dann das eigene Handeln das genaue Gegenteil

Aber es gibt auch positive Beispiele. Gute Nachrichten eben:

Neulich nach Feierabend hat sich auf meiner Busstrecke eine wunderschöne Situation zugetragen, die ich schon fast nicht mehr für möglich gehalten hätte. Umso mehr freut es mich, dass es diese Art guter Nachrichten noch gibt.

Folgendes hat sich also zugetragen: Der Bus hielt an einer Haltestelle, da stand eine Mutter mit ihrem weinenden Kind (ca. 5 Jahre alt) an der Tür und sagte zum Busfahrer, dass ihr Sohn im vorherigen Bus sein Schnuffeltuch vergessen hat. Sein Ein und Alles. Und jetzt weint er ganz traurig. Ob er denn nicht mal seinen Kollegen anfunken könne, ob er das Schnuffeltuch - "Tom" ist der Name des Schnuffeltuches - gefunden hat.

Große Spannung bei mir. Wie reagiert der Busfahrer? 

Er hat sie im ersten Moment nicht so wirklich verstanden (Deutsch ist nicht seine erste Muttersprache gewesen). Sie hat es nochmals wiederholt und er bat sie, doch einfach einzusteigen, er nimmt sie bis zur Endhaltestelle mit, dann kann sie die Situation nochmals schildern.

Mutter und Sohn steigen also ein. Der Kleine weint und schluchzt noch immer ganz erbärmlich.

Der Busfahrer funkt dann die Zentrale an (den direkten Weg zu seinem Kollegen kann er nicht nehmen) und gibt das Problem durch. Mit starkem südeuropäischem Akzent gibt er die Situation verkürzt wieder.

In dem Moment wusste ich, es wird alles gut. Nirgendwo zählen meiner Meinung (und erlebter Erfahrung) nach Kinder mehr als in Südeuropa - der Busfahrer war (zum Glück für die Mutter) kein "ist-mir-doch-egal"-Typ, sondern er hat die Dramatik erkannt.

Kurz vor der Endhaltestelle, die Mutter versuchte währenddessen ihr Kind zu beruhigen, bekam der Busfahrer eine Nachricht, die er sofort weitergab: der Kollege der vorausfahrenden Fahrt hat gerade Pause und wartet mit Tom an der Endhaltestelle.

Und das Gesicht des Jungen hättet Ihr sehen sollen. Von traurigstem Schluchzen wandelte sich sein Gesichtsausdruck in die größte Freude. Lachende Kinderaugen, strahlendes Lächeln. Ich habe richtig Gänsehaut bekommen.

Selbstverständlich habe ich an der Endhaltestelle nicht schnell meinen Anschlussbus genommen, sondern noch ein wenig geluschert, wie die Geschichte zu einem glücklichen Ende kommt.

Mutter und Sohn warteten also mit dem Busfahrer (!) auf den Kollegen und er kam dann auf den Jungen zu, hatte Tom dabei und sogar noch ein Mini-Tütchen Gummibären.




Das nenne ich gelebte Verantwortung im Alltag.

Es zählen die kleinen Gesten. Mitgefühl. Verständnis. Empathie. Hier war alles gegeben.

Danke.


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