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Donnerstag, 22. November 2012

Love-and-Write-Parade

Falls Ihr es noch nicht mitbekommen habt, dann wisst Ihr es jetzt: ich bin absoluter Fan von sinaswelt - wie sie so schreibt, das ist absolut lesenswert und nicht nur höchst interessant, sondern auch inspirierend.

So hat sie jetzt gerade zu einer "Love-and-write-Parade" aufgerufen, in der wir bloggen, was uns in unserer Kindheit und Jugend so berührt hat, so dass wir es damals niedergeschrieben haben. Gedanken, Kurzgeschichten, Schnipsel, alles ist gern gesehen.

Da ich weiß, dass ich noch meinen allerersten Aufsatz habe, den ich irgendwann in der 4. oder 5. Klasse geschrieben habe und damit Mitte der siebziger Jahre, bin ich also in den Keller gestiefelt, habe die ganzen Umzugskartons, die sich dort noch stapeln umgeschichtet, umgeräumt, ausgepackt, aber leider nichts gefunden! Leider ist dieser Aufsatz meinem Aufräumwahn zum Opfer gefallen - oder aber er ist nicht da, wo ich ihn vermutet habe. Was ich gefunden habe, waren Urkunden von den Bundesjugendspielen, bestimmt auch Urkunden von unseren damaligen Handballturnieren (ich habe von 1978 bis 2001 aktiv Handball gespielt), die Seiten aus dem Hamburger Abendblatt vom Mauerfall, aber eben leider nicht diesen ersten Aufsatz!

Aber hier in der Wohnung habe ich ja noch etwas:


Ich hatte mir "damals" eine Kladde angelegt, in der ich - wie man sieht - Sprüche notiert hatte, die im "Sounds", einer Rock-Discothek in Hamburg-Wandsbek, an den Klowänden standen.

"Damals" heißt übrigens Anfang/Mitte der achtziger Jahre. Die Hochzeit der Anti-Atomkraft- und Friedensbewegung, der Demonstrationen gegen den Pershing-II-Beschluss oder kurz und knapp gesagt: meiner Demo-Zeit und "Schlamplook-Phase". Ich lief nur in dunkelblauer Latzhose mit übergroßem Pulli und Riesenparka und dem obligaten Palästinenser-Tuch rum (oder gefärbten Stoffwindeln). Meine Schwester war genau das Gegenteil von mir, sie war "Popper" und daher hatte ich mir dieses hier auch aus dem Oxmox notiert:



Es weht dezent der Kaschmirschal,
ein Parka füllt sein Herz mit Qual.
Beim Prolo, der belocht bestrumpft,
er nur diskret die Nase rümpft.
Ein Bier sagt ihm nicht gerade zu,
er nimmt sein Sektfrühstück in Ruh' - 
übt sich im Small-Talk ohne Geist
und findet Spontis reichlich dreist.
Sein gut betuchtes Elternhaus,
das stattet ihm mit allem aus,
was er benötigt, um sein Leben
in Luxushöhen zu erheben.
Er ist voll fieser Arroganz,
doch zieht er leise ein den Schwanz,
passiert den Mönckebrunnen er.
Ihm machen das Vorbeigehen schwer,
die Teds und auch die Punkerhorden
ach, Popper sein ist schwer geworden.
                                                           
Musikalisch war ich geprägt durch die Liedermacher wie Klaus Hoffmann oder Bettina Wegner und daher habe ich mir auch entsprechend ein paar Liedertexte aufgeschrieben. Hier eine kleine Auswahl:




und natürlich Fisher-Z



Inspiriert oder "angesteckt" wurde ich 1978, als ich das erste Mal an einem Schüleraustausch meines Gymnasiums mit einer Schule in Rennes (Bretagne, Frankreich) teilgenommen habe. Ich war mit damals 14 Jahren eine der jüngsten Teilnehmer(innen), da waren welche dabei, die "schon rauchten" oder eben politisch hoch interessiert waren und so saßen wir in der Gruppe oft diskutierend zusammen, hörten Musik (Neil Young "Harvest", AC/DC) und durch diese Diskussionen habe auch ich mich dann auch erstmals so richtig mit der Politik auseinander gesetzt. Dieses Interesse an dem Weltgeschehen und der Politik ist  bis heute stark ausgeprägt.

Eben daher habe ich mir dann auch diverse Friedensgedichte und -Sprüche notiert - wie zum Beispiel diese hier:


Einen kurzen Abstecher muss ich aber nochmal zum "Sounds" machen. Dort konnte man damals mit 16 Jahren reingehen, musste an der Kasse seinen Ausweis abgeben und um Punkt 24:00 Uhr wurden diejenigen über Lautsprecher ausgerufen, die noch keine 18 Jahre alt waren - was natürlich extrem peinlich war. Ich war immer am Freitag dort, weil dort Hard Rock Abend war. Headbanging pur (auch, wenn das damals noch nicht so hieß). Und genau dort waren die Klowände immer ein schöner Zeitvertreib - da hatte man ordentlich was zu lesen:


"Wir sind leicht bereit, uns selbst zu tadeln. Unter der Bedingung, dass niemand zustimmt". "Erst nehmen sie alles mit, dann wirken sie mitgenommen, und zuletzt liegen gelassen". "Schmeckt die Milch nicht ganz perfekt, hat's im Kernkraftwerk geleckt" ...

Irgendwie war das ne geile Zeit. Und weil eben meine beiden Schüleraustausch-Reisen in die Bretagne so schön waren schließe ich mit dem Lied, das wir immer gemeinsam gesungen haben "Les Retrouvailles" - die Melodie müsst Ihr Euch ausdenken, ich erinnere mich nicht mehr daran :-)


Und nun bin ich ja mal gespannt, wer sich an dieser Parade noch beteiligt und vor allem, welche Fundstücke wir zu lesen bekommen. Ich finde die Idee von der Sina so richtig gut und es hat Spaß gemacht, in der Vergangenheit rumzukramen.

Kommentare:

  1. Oh Sternchen, das ist eine wunderbare Kollage deiner Jugend! Ich habe bei dem Songtext 'Kinder' von Bettina Wegner fast geheult. Schön und wahr. Auch Les Retrouvailles...ich kenn das sehr gut; gute Freunde, die weit entfernt ein Leben führen, wieder zu sehen. Wunderschön. Leider kenn ich die Melodie auch nicht ;) Danke Dir!

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    1. Danke, liebe Sina. Es hat auch Spaß gemacht, in der Vergangenheit zu wühlen

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  2. Ha, ich habe auch noch so eine Kladde - muss ich gleich mal ´raussuchen - Songtexte, Gedichte...
    Und im Sounds in den 80 ern habe ich mich auch ab und zu herumgetrieben allerding musste ich meinen "Perso"nicht abgeben ;-)

    Erinnerungen werden wach...... schön!

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  3. Hallo, Beate,

    das ist ja auch genau das Gewollte bei dieser Parade: man kramt wieder alte Dinge raus und erinnert sich dann plötzlich an schöne vergangene Zeiten. Und mir hat es sehr viel Spaß gemacht.

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