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Mittwoch, 28. März 2012

Die (gute) alte Technik-Welt

Angeregt durch dieses Bild hier 


 das irgendjemand bei Google+ gepostet hat und dem Beitrag von Mario Bull bei Google+ mit dem Titel "Wir waren Helden"  fühle ich mich immer wieder an meine Anfänge im Arbeitsleben erinnert.


Ich bin heute zwar froh, dass diese Zeiten vorbei sind, aber ich möchte sie auf keinen Fall missen. Auch wenn ich mehr als einmal lautstark geflucht habe; denn meine heißgeliebte Korrekturtaste gab es damals noch nicht, sondern die Formulare (ich habe Exportkauffrau gelernt) mussten 5-6 fach mit Kohlepapier beschrieben werden und man durfte sich mit den schönen Kugelkopf-Schreibmaschinen ja nicht vertippen. Ein Fehler und schon hieß es, raus mit dem Papier, neues Formular rein, alles von vorn. Dann irgendwann gab es selbstdurchschreibende Formulare, war ja auch schon ein Fortschritt. 


Aber wo ich drauf hinaus will: erinnert Ihr Euch noch an Telex? 


Als angehende Exportkauffrau habe ich Stunden vor diesem stylischen Gerät hier verbracht:


Bildquelle: http://formacionyconsultoriaonline.blogspot.de/2010/11/por-que-montar-un-blog.html


So ähnlich sah wohl unser Modell aus. Jedenfalls hackte (vom sanften Tippen kann keine Rede sein) man seinen Text - bei mir waren es fast immer Proforma-Rechnungen und längere Texte mit langen Zahlenkolonnen) fehlerfrei in diese Maschine, oben kam der Text als Papierform raus und links als langer gelber Lochstreifen - quasi die Speichereinheit.


Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Fernschreiber


Wenn ich dann meinen ellenlangen Text fertig geschrieben hatte, musste ich die meterlangen Streifen rausziehen, vorsichtig beiseite legen und den Text in der Papierform meinem damaligen Seniorchef zur Kontrolle vorlegen. Er sah sich dann den Text in meinem Beisein an und rechnete nochmals nach. Aber nein, er nahm keinen Taschenrechner (den es allerdings schon gab), sondern nahm seine heißgeliebte Kurbel-Rechenmaschine


Bildquelle: www.dhd24.com


tippte dann wie verrückt auf diesen Tasten rum und kurbelte anschließend. Keine Ahnung, wie so ein Teil funktioniert. Das konnte ich damals nicht nachvollziehen und heute schon gar nicht. Ich musste mich im Gegenteil einfach immer nur zusammenreißen, dass ich nicht anfange zu lachen, da er in hektischen Situationen auch gern mal das Telefon mit dieser Kurbelmaschine verwechselt hat. Aber das Lachen kam in solchen Situationen nicht zu gut an.


Zurück zum Telex: wenn dann der positive Fall eintrat, dass er mit meinem Geschriebsel (was er mir zuvor ja diktiert hat) einverstanden war, konnte ich aufatmen. Wenn nicht begann der Kampf Maschine gegen mich. Denn dann musste der Lochstreifen, auf dem der Text punktweise ausgestanzt war, genau an der zu korrigierenden Stelle eingelegt werden, ein zweiter Streifen eingefädelt werden und dann konnte man korrigieren und damit einen zweiten, den dann korrekten Streifen erzeugen. Boah, was hat mich das Nerven, Schweiß und Panik gekostet, bloß nicht falsch zu korrigieren. Da wir auch viel mit afrikanischen Ländern zu tun hatten, konnte man dann die Verbindung nicht selber aufbauen, sondern musste irgendeine Zentralstelle in Frankfurt antickern, die einem dann eine Leitung gaben und dann wenn das Zeichen kam, konnte man auf "Start" (oder was auch immer man drücken musste) drücken und der Lochstreifen ratterte durch. Allerdings musste man höllisch aufpassen, dass der Streifen schön glatt durch das Gerät gezogen wird und sich kein Knoten bildet.


Das war wie gesagt zwar immer höllisch nervenaufreibend für mich, aber irgendwie doch spannend - weil durch diese komplizierte Technik ist es für mich kleines Wesen auch verständlicher geworden. Schließlich muss die Information ja um den halben Erdball rumgehen und da ist das schon nicht so einfach, schließlich ist das ja ne lange Strecke.


Wenn ich mich recht erinnere wurde dann so ziemlich zum Ende meiner Ausbildung das Fax erfunden - oder zumindest im Büro eingesetzt und Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, wie ich innerlich jubiliert habe.


Wer sich jetzt mehr für die Hintergründe von Telex interessiert, sollte bei Wikipedia unter "Fernschreiber" mal nachlesen. Hochinteressant.


So, das war's. Die Erinnerungen mussten einfach mal niedergeschrieben werden. Langsam komme ja auch ich in das "Weißt-du-noch-damals"-Alter :-)

Kommentare:

  1. Da sollte man echt mal ne selbsthilfegruppe gründen. Ich habe es zwar nicht ganz so schwer wie du gehabt, aber ich hab in meiner Ausbildung auch noch auf Mechanischen Schreibmaschinen rumgehackt...

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    1. Meine war immerhin schon elektrisch, aber extrem hart im Anschlag. War gut für die Fingermuskeln

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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