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Mittwoch, 25. Januar 2012

Rückblick auf meine Schulzeit - heute: there's an app for that

Ich weiß nicht wie es Euch geht,  aber ich gehöre zu den Menschen, bei denen mich die Person überzeugen muss, dass ich mich für seine Botschaft interessiere; denn dann bin ich auch aufmerksam - ansonsten hat er vom ersten Augenblick an die Chance vertan.

So war ich schon als Kind und - Ihr ahnt es - so war auch meine Schulzeit prägend, was die naturwissenschaftlichen Fächer angeht. Hätte ich damals glaubwürdige Personen als Lehrer gehabt, wäre dies zwar ohne Auswirkungen auf meinen späteren Lebenslauf gewesen, aber es hätte mir so einigen Stress wegen der Zensuren erspart.

Heute wäre ich entspannter; denn: There's an App for That!

Die prägende Zeit war ab der 5. Klasse, also bei mir so Mitte der 70er Jahre. Unser Biologielehrer, Herr T., hatte sich vorgenommen, uns die Flora und Fauna durch Ortsbegehungen nahe zu bringen, was ja per se schon mal was Gutes ist, wenn, ja wenn die Person glaubwürdig ist. Aber leider war es bei ihm nicht der Fall; denn er passte seine Kleiderfarbe der Jahreszeit an - wenn es Frühling/Sommer war und alles schön grünte, dann war er von oben bis unten in grün gekleidet und entsprechend im Herbst/Winter komplett in braun.

Ich hatte als Kind schon einen ausgeprägten Sinn dafür, mich von Äußerlichkeiten ablenken zu lassen - und wie er da so wie Catweazle durch die Wälder strich, war's um mich geschehen. Ich habe es einfach nicht fertig gebracht, mir auch nur irgendein Wort, was er sprach, zu merken oder mich für das Gelehrte zu begeistern, ich habe innerlich einen Lachkrampf nach dem anderen bekommen, weil der Typ so unglaublich surreal war, wie er da so durch die Wälder lief, dass bei mir so überhaupt nichts ankam.

Heute noch kann ich noch nicht einmal den Unterschied zwischen Buchen- und Eichenblatt erkennnen, so prägend war das Ganze. Aber wenn ich heute das Bedürfnis habe, rufe ich meine "Garten"-App auf und ich bekomme die Info sofort.

Den gleichen Lehrer hatten wir auch in Chemie, aber da muss nichts Prägendes passiert sein, das Thema hat mich von der ersten Stunde an nicht interessiert und so ist es auch heute noch.

Die zweite Knalltüte als Lehrer hatten wir in Physik ab der 7. Klasse. Ich weiß nicht mal mehr seinen Namen, so unbedeutend war der Kerl.
Aber dann doch wieder so bedeutend, dass er mir bis heute im Kopf hängen geblieben ist und mir als Negativbeispiel dafür steht, wie man mir das Interesse an einem Fach komplett versauen kann, weil man selber so unglaubwürdig, irre, gestört ist, dass ich auch hier vor ungläubigem Lachen einfach keine Konzentration habe.

Auch wenn das jetzt eher wie ein Witz klingt, es hat sich tatsächlich so zugetragen. Dieser besagte Physiklehrer wollte uns wohl irgendwas in Richtung Schwerkraft, Fallgeschwindigkeit oder was weiß ich beibringen (im übrigen stellt ihn Euch bitte in grell-pink-farbigem Pulli vor) und baute dazu eine Schräge auf dem Tisch auf und zeigte anhand unterschiedlich schwerer Gegenstände, dass einige schneller runterrollen, andere langsamer.
Es war komplett um mich geschehen, das Ganze nur noch als Realsatire zu sehen, als es dazu kam, dass er einen Flummi runterrollen ließ, der dann natürlich gut schnell runterrollte und unten aufprallte, er dann dem Flummi hinterherhüpfte, um ihn einzufangen, um uns dann als Fazit und quasi Merksatz Folgendes mit auf den Weg zu geben:

je schneller das Tssssss (der Ball also runterrollte), desto größer das Boooom (der Aufprall).

Was sich für einige von Euch jetzt als Loriot- oder Otto-Waalkes-Sketch anhören mag, nee, nee, so war es wirklich. Der Typ war unglaublich verrückt - später habe ich dann auch erfahren, dass er mittlerweile in stationärer psychiatrischer Behandlung war.

Aber: aus allem Schlechten kann man auch was Gutes ziehen und dieses "je schneller das Tsssss, desto größer das Boom" hat mir viele Jahre später geholfen, als ich meine erste eigene Wohnung hatte, aber leider keine Wasserwaage.

Da erinnerte ich mich an diesen Leitsatz, also habe ich beim Aufhängen von Bildern auf den Rahmen ein Auto aus einem Kinder-Überraschungsei gestellt und wenn es tsss machte, also abfuhr, dann war das Bild schief. Wenn's "boom" machte, war's eh zu spät und die Schieflage hätte ich auch so erkannt.

Unter solchen Umständen war mir ein Lernen der naturwissenschaftlichen Fächer einfach nicht möglich - also waren diese drei Fächer meine klassischen 5er Lieferanten und es gab zum Glück andere Fächer, mit denen ich dies ausgleichen können.

Heutzutage bereue ich auch nicht, dass ich von der Materie so überhaupt keine Ahnung habe; denn wie gesagt "there's an App for that" - wenn ich was nicht weiß, guck ich einfach nach. Das gab es ja damals nicht, da war ich leider auf die Aussagen solcher inkompetenten Menschen angewiesen oder musste die Bücher auswendig lernen - was auch keinen nachhaltigen Erfolg hatte.

Und Ihr, habt Ihr ähnliche Erfahrungen machen müssen?

Kommentare:

  1. Ich hab deinen Blog entdeckt und verfolg dich nun... :)

    Vielleicht hast du auch Lust, bei mir vorbei zu schauen?

    http://www.facebook.com/zimtschnute.blogt

    Ganz lieben Gruß
    Zimtschnute

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  2. Hallo Kurzundknapp,

    Wusstest Du, dass es eine App für die Berechung der fruchtbaren Tage gibt? Ich könnte mich totlachen.
    Ich bin ja eigentlich sehr technikaffin, aber iPhone und
    Konsorten gehen immer noch an mir vorbei.

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  3. In Naturwissenschaften war ich auch eine Vollkatastrophe. Bei mir begann die Grundschule auch nicht wirklich gut, was dazu geführt hat, dass ich Lehrer immer irgendwie verachtet habe:

    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/324197/Grundschul-Verarbeitung

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    1. na wow, schöner Beitrag! Den muss ich mir direkt abspeichern

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